Mühltorstraße 24, Mühle

Schlossmühle, schon 1399 als Webismühle erwähnt, jetziger Bau aus dem 18. Jahrhundert. Zweigeschossiger Fachwerkbau mit massivem Sockel zum Mühlgraben hin, konstruktives Fachwerk mit Schmuck an der Hofseite.

Der zweigeschossige Fachwerkbau besitzt einen massiven Sockel zum Mühlgraben hin. Er zeigt konstruktives Fachwerk mit Schmuck an der Hofseite und entstand in der 1. Hälfte des 18. Jhs. Die ursprüngliche Türumrahmung und die Tür des 18. Jhs. sind erhalten. Im Inneren ist teilweise die alte Raumaufteilung mit dem großen Mahlraum vorhanden. Die Mühle bildet mit mehrere Nebengeäude eine Gesamtanlage.

Quelle: denkmalpflege-hessen.de

Dr. Walter Nieß:
Die Gesamtanlage Mühle wird im Süden und Südwesten durch den Verlauf des ehemaligen Mühlengrabens begrenzt, im Norden durch den Seemenbach und im Osten durch die Grenze des Flurstückes 2 der Flur 6. Es handelt sich um die bauliche Anlage der herrschaftlichen Mühle mit dem Mühlenhaus und Nebengebäuden.
Im frühen 18. Jahrhundert entstanden, kommt dieser Baugruppe eine wichtige Stellung innerhalb der Wirtschaftsgeschichte der Grafschaft zu. Ihre Erhaltung liegt aus geschäftlichen und wissenschaftlichen Gründen im öffentlichen Interesse.
Die Mühlenbauten sind als einfaches Fachwerk ausgeführt und lassen verschiedene Baustufen, zeitlich unterschieden in der Stilform, erkennen. Zweckbauten aus Eichenholz, scharfkantig geschnittene Balken als wohl letzte Verbesserungen aus dem 18. Jahrhundert, ohne besondere Baumerkwürdigkeiten. Das Haupthaus umfasste den Mühlenbetrieb und die Wohnung des Müllers, unter Graf Wolfgang Ernst ist hier eine Münzmühle errichtet worden.
Diese Mühle wird bereits im Jahre 1318 genannt (Simon III Nr. 395): De curia et molendino ipsius, sita in Büdingen bzw. Die mule tzu Webiß by Budingen dem Schloß gelegen (Simon III Nr. 218).
In der Urkunde vom 3. Juni 1399 (vgl. Battenberg, Nr. 1006) verlieh Pfalzgraf Ruprecht III. neben anderen Mannlehen die „Mühle zu Webisz, gelegen beim Schloß zu Büdingen. welches Lehen durch den Tod des Friedrich von Lißberg ledig (ge)worden, zu einem rechten Mannlehen“. Diese Verleihungen setzen sich bis zum Jahre 1477 fast im gleichen Wortlaut, jedoch von verschiedenen Lehensgebern und -nehmern fort.
Im Jahre 1463 wird bei der gleichen Verleihung erstmalig und einmalig ein „Salzgericht“ erwähnt (vgl. Battenberg, Nr. 239). Weitere Nennungen 1414, 1433, 1475, 1529 und 1630/31 (Reimer, Urk. Buch; Corvinus, Walter: Die alten Namen von Büdingen und seinen Wäldern. Gießen 1941, Seite 122).
Im Isenburger Rentbuch vom Jahre 1631 ist die Mühle in ihrem Umfang wie folgt beschrieben:
Die Mühle hinter der Burg, die Webißmühl:
Vorne vier Gäng
Eine Stube unten im Ährn (Gang)
Oben zwei Kammern
Zween Säuställ
Ein Kuhe Stall
Ein Gärtchen dabei
Molterkasten
Eine Münzmühl dabei mit einem Gang
Der Hundstall unfern davon gelegen
Mit dem Garten daran.
Zugehörig dazu war ein:
Molterhaus bei der Mehlpforten, darinnen eine eiserne Balkenwage mit den dazugehörigen Steinen. Vorn in einem Kämmerchen ein unterschiedener Molterkasten zu Korn und Weizen.

Das Wort Webiß wurde bisher mit einem Familiennamen zusammengebracht, kommt aber auch in anderen Zusammenhängen vor, z. B. bei einem Weg. Untersucht man jedoch das Wort unter dem Gesichtspunkt der keltischen Wurzel von Büdingen, erscheint mir eine Erklärung bei Dr. Phil. J. H. Kaltschmidt, Leipzig 1855, in seinem Wörterbuch der englischen und der deutschen Sprache zu Wedbedrip, die Schuldigkeit niederer Lehensleute, ihres Lehensherrn Korn zu ernten, passender zu sein.
Der Name Webisz kann aber auch eine Verbindung zum Sumpfgebiet beim Solevorkommen im Büdinger Schlossbereich belegen. Nach Kluge (vgl. Friedrich Kluge, Etymologisches Wörterbuch der Deutschen Sprache, Berlin 1957, S. 829) hängt dieses Wort mit den Wörtern „wabern“, „wehen“, altangelsächsisch „waefre“ zusammen. Dies bedeutet - modern ausgedrückt - soviel wie hin- und herbewegen, schwanken usw., was auch mit dem Wort „weben“ in unserem Sprachgebrauch überliefert wird. Dies würde eine Eigenschaft des Sumpfgebietes des Seemenbaches in dieser feuchten schwankenden Niederung im Büdinger Schlossbereich, an dessen Rand die Schlossmühle liegt, recht gut beschreiben. Vielleicht war hier der Werkplatz, an dem man die Faschinen mit feucht gemachter Weidenrute zusammenband, um sie nach jedem Hochwassereintrag über den Schwemmboden zu legen, um weiter arbeiten zu können. Da der Holz liefernde Wald und der Einbauort hier am nächsten zusammenkommen, dürfte diese Überlegung einiges für sich haben.
An der Seemenbachbrücke, nach der Altstadt Büdingen, befand sich ferner in herrschaftlichem Besitz eine weitere Mühle, dabei ein Haus mit Stübchen und Kammer, die bereits 1631 nicht mehr als Mühle genutzt wurde, jedoch Lohmühle genannt wurde, bei der ein Lohsteg über den Seemenbach ging. Zeitweilig als Gerbereistätte benutzt, wo allerdings 1631 ein Seegräber, also ein Mann zur Pflege der Wasserläufe, untergebracht war.

Quelle: Dr. Walter Nieß: Die Büdinger Altstadt, Büdinger Häuserbuch III. Band, Geschichtswerkstatt Büdingen 2009.

Schlossmühle in historischer Ansicht, Quelle: Geschichtswerkstatt Büdingen